Wer austeilt muss auch einstecken - von Doppelmoral, gegenderter Sprache und toxischem Verhalten

Geöffnet als Baustelle! ;) Umbauarbeiten erfolgen noch über einige Bereiche!
Red Panda, by Dave Pape (Public Domain).

Eigentlich schade, dass mein Beitrag - im XenForo - zum Thema gegenderter Sprache nicht mehr wirklich da ist, aber im Endeffekt ist er nicht so wichtig. Gleichzeitig hat sich in den letzten 2 Wochen so einiges ereignet, was heute dazu führt, dass ich mal wieder "kotzen" möchte und eine Sache ist erst wenige Stunden alt.


Das gegenderte Sprache auf ein eher geteiltes Echo stößt, sollte den meisten unter uns bekannt sein. Ich selbst bin, was das Thema angeht, eher vollkommen emotionslos, weil ich die ganze Aufregung - aus beiden Lagern - nicht so ganz verstehe. Ob ich nun liebe Lesende oder liebe Leser*innen schreibe - ich bevorzuge das Sternchen, weil damit nicht nur mehr Weiblein und Männlein gemeint sind - ist für mich vollkommen irrelevant und für mich liest sich das auch nicht holpriger oder schwerer als vorher oder nachher. Es ist einfach nur erst mal ungewohnt - soweit so gut und diesen Stand habe ich auch im letzten Artikel zu diesem Thema wiedergegeben.


Da die Diskussion jedoch recht emotional geführt wird und sowohl Verfechter der gegenderten Sprache als auch die Gegner sich gerne mal im Ton vergreifen, kommt es immer wieder zu dem typischen toxischem Verhalten und damit verbunden die "Hassmails". Vor einiger Zeit hat ein Journalist einer Hardware-Seite - ich werde an dieser Stelle nicht dahin verlinken, weil ich nicht unnötig Öl ins Feuer gießen möchten - zu Ostern einen Appel zu mehr Gelassenheit und gegen toxisches Verhalten geschrieben. Im großen und ganzen Stimme ich dem Journalisten auch zu, dass wir alle mal etwas gelassener sein sollten, gerade auch was die Grabenkriege AMD, NVIDIA und Intel angeht, oder um es auf ein anderes Thema zu erweitern: Lego und die alternativen Klemmbaustein-Hersteller. Alle liefern sie gute Produkte ab und als Journalist*in gibt man oft - gerade dieser Journalist - sein Bestes um wirklich Fakten zu schaffen.


Der eigentliche Aufruf ist also so richtig wie er notwendig ist, wäre da nicht ein kleines Detail: Der übliche Rand gegen gegenderte Sprache und wie unfein doch das alles ist und wie schlecht das Deutsch damit wird. Jetzt gibt es da nur ein kleines Problem und wer die entsprechende Hardwareseite kennt, weiß, wovon ich nun schreibe, wobei, es gibt hier zwei Probleme: (1.) Wenn man für Gelassenheit und gegen toxisches Verhalten schreibt, sollte man selbst mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechende Sticheleien, die die Gemüter erhitzen, besser unterlassen, das habe ich natürlich als Einwurf gebracht. Darauf aufbauend (2.) wurde dann das schlechte Deutsch durch gegenderte Sprache angesprochen und dass ja auch der Duden sowie Experten sich dagegen aussprechen und um auf (1.) zurückzukommen, darauf verwiesen, dass man ja ganz viele böse Hassmails bekommt von Verfechtern der gegenderten Sprache und daher das eigene Verhalten entschuldigt ist und man ja das recht hat andere anzugreifen.


Ihr seht schon, worauf das hinausläuft. Zum ersten Block ist eigentlich zu sagen: Auch wenn man angegriffen wird, gibt es einem nicht das Recht andere anzugreifen, vor allem nicht, wenn man das ach so toxische Verhalten vermeiden will und für Gelassenheit eintreten will. Ja, es gibt Verfechter der gegenderten Sprache, die gehen auch mir gegen den Strich, aber um hier fair zu sein: Ich kenne genug Menschen, die sich als Verfechter der deutschen Sprache und damit des generischen Maskulinums, in der Regel nicht viel besser benehmen und ordentlich austeilen. Packt man hier all die Leute in einen Sack, nimmt einen Knüppel und haut auf den Sack: Es trifft nicht den falschen. Oder um ein anderes Sprichwort zu bemühen: "Getroffene Hunde bellen."


Allgemein wäre es wünschenswert, wen die Menschen - egal ob sie nun für oder gegen gegenderte Sprache sind - sich etwas entspannen und anderen ihre Meinung lassen würden. Ich selbst habe kein Problem damit euch Leser*innen zu nennen, warum auch? Gerade das Asterisk (Sternchen) kommt einem da sogar echt entgegen, weil man nach dem Asterisk einfach aufhören kann zu lesen, in der Regel. Und auch sonst? Es ist etwas Umgewöhnung und manchmal muss man nachdenken, aber so what? Es gibt für mich wichtigeres im Leben, als mit jemanden darüber zu diskutieren, ob ich nun gender oder nicht und da ich aktuell in einer Umgebung lebe, in der es den meisten Menschen wichtig ist, passe ich mich an und gut ist, denn ich mach meinen Kolleg*innen und meinen Freund*innen eine große Freude damit und für mich ist es einfach nur etwas mehr Sorgfalt beim Schreiben. Zudem lesen sich die Texte da nicht wirklich schwerer oder komplizierter als vorher.


Und damit kommen wir zum Punkt 2: Beobachte ich die Leute, die mit der Rechtschreibung, Grammatik sowie dem Stil gegen die gegenderte Sprachen argumentieren, muss ich ganz ehrlich sagen, dass sich viele dieser Menschen lächerlich machen und damit auch der besagte Journalist, denn wenn sich selbst mir als Legastheniker bei einem Text die Zehennägel hochrollen wegen der offensichtlichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern - die stilistischen Unfeinheiten blenden wir mal an der Stelle gekonnt aus - dann sollte man als Journalist nicht unbedingt die Reinheit der deutschen Sprache als Argument gegen die gegenderte Sprache anbringen, das ist eben schnell peinlich und bekommt einen faden Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass dieser Journalist vor einigen Jahren die bitte von mir die eigenen Texte vor dem Absenden zumindest mal Korrektur zu lesen, recht barsch damit abgetan hat, dass man ja kein glattgebügelten Text abliefern möchte. Dabei ging es mir damals nicht um seinen Stil, sondern darum, dass man in jedem Satz mindestens 1 Rechtschreibfehler hatte, dazu unzählige Zeichenfehler und ausgelassene Wörter oder falsche Worttrennungen. Wer so wenig Wert auf einen sauberen Text legt, sollte eben nicht mit dem Stil und der Rechtschreibung gegen gegenderte Sprache wettern.


Allgemein: Lasst den anderen doch ihre Meinungen und ihre Ansichten, es lohnt sich nicht wegen Produkten in die Wolle zu bekommen. Ebenso: Lasst es andere anzugreifen, weil sie eine andere Ansicht haben. Legt eure Argumente dar, entweder ihr findet einen Konsens oder nicht, aber man muss nicht beleidigend werden und wie ein Horaz so schön sagte: "Bis repetita non placent." Wiederholungen gefallen nicht.


In diesem Sinn: Versucht lieber das schöne zu finden in dieser schweren Zeit.