Gronkh muss Hartz 4 beantragen - bis zu 30 % weniger Geld von Twitch

Geöffnet als Baustelle! ;) Umbauarbeiten erfolgen noch über einige Bereiche!
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Aber fangen wir doch mit den wichtigen Sachen an: Amazon wird wohl in nächster Zeit etwas bei den Vergütungen bei Twitch verändern und damit drohen Einkommensverluste für Streamer von 12 bis 30 %, zumindest sind das die Zahlen, die man so an manchen Stellen findet und relativ gesehen sind das auch große Zahlen. Dass so mancher Streamer hier verärgert ist, ist verständlich und es wird auch einige Streamer geben, die sich nun nach einem Zweitjob umsehen müssen, auch das ist nicht fein. Genau so sollte hier keiner denken, dass Videos zu machen ein einfacher Job ist. Ich selbst habe von 2013 bis knapp 2016 selbst einen kleinen YouTube-Channel betrieben und habe gemerkt, was für ein Aufwand dahinter steht, auch wenn ich zu der Fraktion der One-Take gehöre, die also möglichst wenig Postproduktion machten.


Man benötigt einiges an technisches Wissen und auch eine halbwegs vernünftige Ausrüstung um einzusteigen. Die Hürden für eigene Videos bei YouTube, aber ebenso das Streamen bei Twitch sind heute gering, wer aber wirklich seinen Zuschauern ein gutes Ergebnis liefern will, muss vieles beachten und man darf auch nicht vergessen, dass man auch entsprechende Vor- und Nachbereitungszeit für die Projekte braucht. YouTuber zu sein, Streamer zu sein, ist kein einfacher Job, besonders wenn man eine One-Man-Show betreiben muss. Auch deswegen ist der Aufschrei nun durch die Veränderungen bei Amazon durchaus verständlich!


Das Problem ist hier ein anderes: Es sind nicht die kleinen selbstständigen Streamer, die mit ihren Videos halbwegs gut leben können, die im Monat vielleicht 3000 bis 4000 € machen, sondern es sind die großen Streamer - eben wie Gronkh - die vorrechnen, wie viel Geld man doch verliert und das wirkt auf viele Menschen auch verstören, besonders wenn wir bedenken, dass wir seit letztem Jahr eine Pandemie hatten in der viele Menschen, gerade in der Gastronomie sowie im Einzelhandel ihren Job verloren haben und Arbeiter und Angestellte in anderen Branchen in die Kurzarbeit mussten. Hier sind es viele, die Einkommenseinbußen von 50 % und sogar mehr hinnehmen mussten, wenn sie Pech hatten.

30 %, das ist ganz schön viel - aber die Relation fehlt

Es wird einige ganz kluge Köpfe geben, die mich darauf hinweisen, dass die 30 % bei Gronkh absolut gesehen mehr Geld bedeuten als bei einer Person, die im Einzelhandel angestellt ist und auch das ist richtig, nur vergisst man hier dann gerne den Spielraum, den manche Menschen haben und andere eben nicht. Gronkh verdient aktuell pro Monat mit YouTube ca. 40.000 € und hat ein geschätztes Vermögen von 2.000.000 €. Für dieses Jahr stehen aktuell schätzungsweise bereits 700.000 € auf der Uhr, wir können also seinen Twitch-Verdienst auch mit ca. 40.000 € ansetzten - und es bleibt immer noch etwas übrig für andere Einkommenskanäle. Wenn Gronkh nun 30 % - schlimmste Rechnung - seines Twitch-Einkommens verliert, dann sind das 12.000 € im Monat weniger oder eben 68.000 €, statt 80.000 €: 15 % weniger in der Tasche, keine 30 %. Es gibt hier noch einige Szenarien, die man durchrechnen könnte, nur wird Gronkh durch diesen Verlust nicht am Hungertuch nagen.

Streamer bezahlen aber Mitarbeiter

Das mag für manche Streamer sicher gelten, dass sie Mitarbeiter haben und ja auch diese werden aus diesen Einkommen bezahlt, nur fängt es dann hier an sehr schwer zu werden alle Zahlen wirklich zu finden und die Rechnungen werden sehr ungenau. Die Zahlen, die ich für Gronkh hier ansetzte, sind die Zahlen, die mit seinem YouTube und Twitch-Kanal direkt assoziiert werden, natürlich hat er aber auch Lets Player angestellt, die über ihre Kanäle aber auch entsprechend Geld erwirtschaften, dazu kommen einige Firmen, deren Anzahl an Mitarbeiter so nicht genau zu erfassen ist. Es kommt auch mit dazu, dass er heute ja nicht nur mehr Lets Player beschäftigt, sondern auch Gesellschafter einer Künstleragentur ist, die auch ein paar sehr namhafte Comedians vertritt.


Wer aus welchem Topf und von welchen Geldern hier finanziert wird, ist so nicht nachvollziehbar, wenn ich aber meine eigenen Erfahrungen mit Künstleragenturen hier einbringe, kann ich sagen, dass die Gehälter der Mitarbeiter dort nicht aus den Einnahmen von YouTube oder Twitch finanziert werden, sondern durch die Gagen für Auftritte und die Beteiligung an den Einnahmen für die entsprechende Events! Wirklich Fakten kann man hier in vielen Diskussionen nicht erwarten, sondern oft Mutmaßungen und Indizien.

Es bleiben die Relationen

Das Problem bleiben die Relationen: Wer ein Einkommen von 3000 bis 5000 € Brutto hat und 30 % verliert, der muss mit 900 - 1500 € Brutto im Monat weniger aus kommen und das kann dann wirklich einschneidend sein, besonders wenn noch eine Familie dahinter steht, die versorgt werden will. Gronkh von seinen 700.000 € die im direkt zugeschrieben werden, 30 % verliert, dann sind das zwar 210.000 €, nur hat er dann immer noch 490.000 € die er zur Verfügung hat und auch nach Steuern bleiben im immer noch knapp 300.000 €. Davon kann man in Deutschland sehr gut leben und ich gönne es ihm auch.


Wenn ich von meinen ca. 3500 € Brutto nun aber 30 % abziehen muss - und eine Kollegin meinte bereits, dass es passieren kann, dass wir wieder einen "Sondertarifvertrag" bekommen, bei dem wir ca. 25 % Lohn einbüßen würden - dann verliere 1000 € Brutto und aktuell ca. 400 € Netto und das ist dann schon eher bemerkbar, auch bei den Mieten die wir haben. Ich würde dennoch nicht wirklich darüber jammern, denn dafür ist mein Job ziemlich sicher, auch bei Krisen.

Neid ist ekelhaft, Wehleidigkeit allerdings auch!

Natürlich gibt es Menschen, die anderen Menschen nicht mal die Butter auf dem Brot gönnen, aber um die geht es an dieser Stelle nicht. Es geht viel mehr auch darum, dass wir aktuell eine YouTube- und Streamer-Einkommenselite haben, die sehr schnell dabei sind über ihr eigenes Leid zu jammern. Da gibt es YouTuber, die davon sprechen, dass sie Deutschland wegen der 43 % Einkommenssteuer zu verlassen und wie unfair doch die Einkommenssteuer ist, dass diese Einkommenssteuer manchen von Ihnen die Schulbildung finanziert hat, wird schnell vergessen. Andere YouTuber, die mehre Millionen im Jahr an Geld gemacht haben und sich teure Villen gekauft haben, jammern, dass sie vor dem Ruin stehen, weil YouTube oder nun eben auch Twitch die Auszahlungsschlüssel ändern. Diese Wehleidigkeit - und darunter fällt nun auch Gronkh mit seiner Beispielrechnung - ist genauso ein Problem und in meinen Augen an der Stelle sogar pietätlos.


Gronkh und viele Streamer und YouTuber haben nämlich ein Glück - und das gönne ich ihnen vom ganzen Herzen: Sie können ihr Geld mit einem Job verdienen, der ihnen wirklich Spaß macht. Natürlich hat jeder Job auch seine Schattenseiten. Sie haben ebenso das Glück, dass sie während der Goldgräberzeit wirklich sehr viel Geld verdienen konnten und sie eine finanzielle Unabhängigkeit aber auch Freiheit genießen, die viele von uns nie genießen werden. Das sollten die Streamer und YouTuber immer auch bedenken, wenn sie meinen, dass sie mal wieder vorrechnen müssen, wie viel Einkommen sie verlieren.


Es gibt viele Menschen, den geht es deutlich schlechter als Ihnen und wenn man dann allzu sehr mit zahlen hantiert, von denen wir anderen nur Träumen können, dann erzeugt das natürlich auch Unverständnis - bei vielen - und auch Neid - bei manchen - und Missgunst - bei wenigen. Nur liegt der Fehler dann nicht nur bei den Lesern oder Zuschauern, die mit Unverständnis, Neid, Missgunst und eventuell auch Häme reagieren, sondern ein Teil der Schuld ist auch der Wehleidigkeit und der Prahlerei geschuldet.